WOHNBAU.DIALOG 13

Der 13. WOHNBAU.DIALOG STEIERMARK fand am 13. Oktober 2025 von 15:00 bis 17:00 Uhr im Haus der Architektur Graz statt und widmete sich dem Thema „Zukunftsfitte Wohnbaupolitik“. Angesichts wachsender sozialer, ökologischer und ökonomischer Herausforderungen rückt die Frage in den Fokus, wie rechtliche und politische Rahmenbedingungen gestaltet werden müssen, um das Wohnen von morgen resilient, leistbar und gemeinwohlorientiert zu ermöglichen. Im Zentrum der Veranstaltung stand der Dialog über die Weiterentwicklung bestehender Strukturen hin zu einer Wohnbaupolitik, die innovative Wohnformen zulässt, soziale Teilhabe fördert und mit knappen Ressourcen verantwortungsvoll umgeht. Die Veranstaltung fand in Kooperation mit der Initiative Gemeinsam Bauen & Wohnen statt und wurde durch eine Exkursion zum Wohnprojekt KooWo Volkersdorf ergänzt, die am 23.09.2025 stattfand.

Die Veranstaltung widmete sich thematischen Schwerpunkten, die in Form von Impulsvorträgen und anschließenden moderierten Thementischen gemeinsam mit den Teilnehmenden vertieft bearbeitet wurden. Constance Weiser, Sprecherin der Initiative Gemeinsam Bauen & Wohnen, präsentierte das Projekt BaCh sowie die Potentiale von gemeinschaftlichen Wohnprojekten und ihre Außenwirkung. Elisabeth Oswald vom StadtLABOR beleuchtete gemeinsam mit Thomas Wieczorek von Schwarz Platzer Architekten partizipative Prozesse im Wohnbau. Aufgrund der kurzfristigen Absage von Reinhard Pichler, dem Bürgermeister von Eggersdorf, der gemeinschaftlichen Wohnbau aus kommunaler Perspektive beleuchten sollte, wurde dieser Themenbereich im Diskussionsteil der Veranstaltung verstärkt aufgegriffen.

Am Thementisch Gemeinschaftliche Wohnprojekte und ihre Außenwirkung wurde unter der Moderation von Thomas Höflehner mit Constance Weiser diskutiert, wie die Umsetzung von Cohousing-Ansätzen auf Gemeinde-, Landes- und Bundesebene gefördert werden können.

Am Thementisch Zukunftsfitte Wohnbauplanung, moderiert von Andrea Jany, wurde gemeinsam mit Thomas Wieczorek diskutiert, welche ökologischen, architektonischen, und rechtlich-finanziellen Herausforderungen und mögliche Lösungsansätze für eine tragfähige Wohnbauplanung in der Steiermark und darüber hinaus berücksichtigt werden müssen.

Der Thementisch Rahmenbedingungen für Beteiligungsprozesse wurde von Bernhard Hohmann moderiert. Gemeinsam mit Elisabeth Oswald tauschten sie mit den Teilnehmenden sowohl konkrete gesetzliche und planerische Hindernisse als auch praxisorientierte Lösungsansätze zur Integration von Beteiligung in den Planungsprozess sowie zu Fragen nach einer Beteiligung im Bestand aus.

Beim 13. WOHNBAU.DIALOG wurde deutlich, dass eine zukunftsfitte Wohnbaupolitik nur durch ein abgestimmtes Zusammenspiel von Politik, Verwaltung, Planung und Zivilgesellschaft gelingen kann. Wohnbau wird zunehmend als gesamtgesellschaftliche Aufgabe verstanden, die ökologische Verantwortung, soziale Inklusion, architektonische Qualität und ökonomische Tragfähigkeit verbindet. Dazu braucht es neue Formen der Kooperation, Bewusstseinsbildung und intermediäre Akteure, die zwischen Verwaltung, Politik und Zivilgesellschaft vermitteln. Besonders gemeinschaftliches Bauen und Wohnen wurde als Chance hervorgehoben, um aktuellen Herausforderungen wie Bodenverbrauch, Leerstand, Vereinsamung und steigenden Infrastrukturkosten zu begegnen. Seine Umsetzung erfordert jedoch kohärente Strategien auf allen Ebenen: Auf kommunaler Ebene sind Flächenbereitstellung, personelle Ressourcen und proaktive Prozessunterstützung entscheidend, während auf Landes- und Bundesebene rechtliche und fördertechnische Rahmenbedingungen an neue Eigentums-, Finanzierungs- und Beteiligungsmodelle angepasst werden müssen. Fehlende gesetzliche Grundlagen, restriktive Stellplatzverordnungen und unzureichende Prozessbegleitung wurden als zentrale Hemmnisse benannt. Darüber hinaus wurde betont, dass zukunftsorientierte Planung nur gelingen kann, wenn ökologische, soziale und architektonische Aspekte integriert und sektorale Zuständigkeiten überwunden werden. Prozessbegleitung wurde als wesentliche Voraussetzung genannt, um diese Verknüpfungen zu sichern und langfristig qualitativ hochwertige, sozial durchmischte und ökologisch verantwortungsvolle Wohnformen zu etablieren. Insgesamt zeigte die Diskussion, dass eine zukunftsfitte Wohnbaupolitik sowohl strukturelle Anpassungen als auch kulturellen Wandel erfordert – hin zu einer Politik, die Beteiligung, Nachhaltigkeit und Innovation als selbstverständliche Bestandteile einer resilienten Wohnentwicklung versteht.

Fotocredit: HDA

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